Ein ungewöhnlicher Mix – was macht die Netflix-Serie „The OA“ so einzigartig?

Die Netflix-Original-Serie „The OA“ überrascht den Zuschauer mit einer besonderen Intensität. Was die Serie wirklich zu bieten hat, ist viel mehr als nur der Mix aus Mystery und Science-Fiction. „The OA“ zeigt uns, was Freundschaft wirklich bedeutet.

Eine blinde Frau, die ihr Augenlicht wiedererlangt, Freundschaft ohne Grenzen und Nahtod-Experimente. Dies sind nur einige Themen des Netflix-Originals „The OA“, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Doch ist die Serie wirklich sehenswert? Vor dem Start der zweiten Staffel Mitte 2018 sollten wir dieser Frage unbedingt auf den Grund gehen.

„Stranger Things“-Fans dürfen nun hellhörig werden! Wer bei den ersten beiden Staffeln der Erfolgsserie „Binge Watching“ betrieben hat, kann einen würdigen Nachfolger in „The OA“ finden. Die beiden Serien entstammen nämlich nicht nur dem gleichen, eigentlich undefinierbaren Genre. Auf die Frage „Worum geht es denn überhaupt?“ geraten begeisterte Fans in Erklärungsnot. Beide Serien sind eine Kombination von Dingen, die es so noch nie gegeben hat.

Alles beginnt mit einem Handy-Video, das den Selbstmord einer jungen Frau dokumentiert. Die Frau ist Prairie Johnson (oder „OA“, wie sie später genannt wird). Als ihre Adoptiveltern sie im Krankenhaus abholen, blickt Prairie zunächst in die Gesichter zweier Fremder. Wie das möglich ist? Prairie war seit ihrem achten Lebensjahr erblindet und kam erst zwei Jahre später zum Ehepaar Johnson. Wie sie ihr Augenlicht verloren und wieder zurückgewinnen konnte, ist nur ein Puzzleteil ihrer außergewöhnlichen Geschichte.

Die Mysterien häufen sich

Je tiefer man in das Universum eintaucht, desto mehr Mysterien erscheinen an der Oberfläche. Prairie war sieben Jahre lang verschwunden. Als sie wieder auftaucht, hat sie nicht nur ihr Augenlicht wieder, sondern auch seltsame Narben auf ihrem Rücken. Mit Hilfe ihrer stark ausgeprägten Empathie trommelt sie eine Gruppe von fünf Personen in einem verlassenen Haus zusammen und erzählt diesen ihre Lebensgeschichte. Die Gruppe besteht aus einer Lehrerin, einem jungen Drogendealer und anderen markanten Persönlichkeiten. Die Konstellation ist so ungewöhnlich, dass zunächst keine Gemeinsamkeiten erkennbar sind. Im Verlauf der Geschichte verstricken sich ihre Leben aber auf so wundersame Art und Weise miteinander, dass sie am Ende sogar bereit sind füreinander zu sterben (oder eben für das, was nach dem Tod kommen mag). Eine wahre Freundschaft ohne Grenzen.

Die Serie teilt sich in zwei parallele Handlungsstränge: Prairies Vergangenheit und die Gegenwart. Prairie enthüllt der Gruppe Details über ihre Entführung und wie sie ihre große Liebe Homer gefunden hat. Sie erzählt von ihren Nahtod-Erfahrungen (unerwartet oder experimentell herbeigeführt) und von einem Tanz, der den Tod besiegt. Woher der Name „OA“ stammt ist ein weiteres Puzzleteil ihrer Geschichte. Wer jetzt denkt, dass nicht mehr viel Ungewöhnliches passieren kann, hat seine Rechnung ohne „The OA“ gemacht.

Allein die Veröffentlichung der ersten Staffel am 16. Dezember 2016 brachte viele Geheimnisse mit sich. Der Trailer wurde erst drei Tage vorher veröffentlicht und warf nur noch mehr Fragen über den Inhalt auf. Plötzlich war die Serie dann auf dem Streaming-Anbieter Netflix zu finden. Sie präsentierte sich den Nutzern wie ihre Story: überraschend und anders, am Ende fesselnd.

OA gefangenschaft
Die blinde OA in Gefangenschaft.

The OA“ entführt uns in eine neue Welt

Die Gruppenmitglieder sollen während der nächtlichen Sitzungen ihre Türen offen lassen, um Prairie/OA ihr Vertrauen zu beweisen. Der Zuschauer kann sich daran ein Beispiel nehmen. Wer sich nicht für Übernatürliches interessiert, wird kein Interesse an „The OA“ haben. Wer sich allerdings von OA und ihrer Geschichte mitreißen lässt, wird in eine neue Welt eintauchen. Eine Welt, die uns beibringt zu vertrauen. Auf unsere Intuition und das Gute, was in uns allen steckt.

Die Hauptverantwortliche der Serie ist die Schauspielerin und Drehbuchautorin Brit Marling. Sie schrieb nicht nur die Drehbücher für „The OA“ sondern verkörpert auch die Hauptfigur Prairie Johnson/OA. Sie produziert die Serie zusammen mit ihren Freunden Zal Batmanglij und Mike Cahill. Zal Batmanglij übernahm zudem die Regie für alle acht Episoden. Zusammen haben sie bereits mehrere Indie-Filme, wie „Another Earth (2011) oder „I Origins“ (2014), über die Themen Wiedergeburt, Zeitreisen und Parallelwelten auf die Leinwand gebracht. „The OA“ ist ihre erste Serienproduktion.

Der gesamte Cast kommt ohne Schauspielgrößen aus. Die Geschichte der Serie ist so intensiv, dass es diese schlichtweg nicht braucht. Die Probleme und Ängste der Charaktere wirken real. Der Zuschauer taucht ein und hält mit den Schauspielern die Luft an, wenn OA weitere Details ihrer Geschichte preisgibt.

Die Serie schafft es mit Hilfe ihrer motivierten Kameraführung, den Zuschauer zu fesseln und ihn nicht mehr loszulassen. Wenn OA blind ist, fühlt sich der Zuschauer ebenfalls blind. „Den Zuschauer verfolgt immer eine gewisse Unruhe, weil er nicht weiß, was als nächstes passiert. Das kann im ersten Moment verwirrend, aber hoffentlich auch spannend sein“, erklärt Zal Batmanglij gegenüber dem „Guardian“. Die Konzentration der Story bleibt immer bei OA. Wir lernen, was es heißt zuzuhören.

„Im Leben geht es darum, jeden Tag mit so viel Licht wie möglich zu erfüllen.“

Vertrauen, Freundschaft und Intuition. Eigenschaften, die in unserer Gesellschaft mehr und mehr in den Hintergrund treten. Dabei sind es genau diese Werte, die uns erst menschlich machen. „The OA“ zeigt uns auf magische Weise, was es heißt, für seine Freunde einzustehen. Wie wir wieder lernen, unserer Intuition zu folgen. Und wie wichtig es ist, auf sein eigenes Herz zu hören und niemals aufzugeben. Egal, wie schwierig es sein mag.

„Im Leben geht es darum, jeden Tag mit so viel Licht wie möglich zu erfüllen.“ Diesen Rat gibt OA nicht nur ihren Freunden, sondern auch uns. Denn egal wie oft OA vor die Entscheidung gestellt wird, sie wählt immer ihre Freunde statt ihrer eigenen Freiheit. Weil sie genau weiß, dass wir ohne unsere Freunde nichts sind.

Das offene Ende der ersten Staffel lässt den Zuschauer mit dringlichen Fragen zurück. Es gilt allerdings, sich noch etwas zu gedulden. Brit Marling twitterte Ende 2017, dass die Dreharbeiten für die zweite Staffel jetzt erst beginnen. Bis dahin können sich die Fans durch etliche Internetforen stöbern und über Theorien diskutieren. Vertrauen wir OA und ihrer Geschichte oder nicht? Das kann am Ende des Tages/der Serie jeder für sich selbst entscheiden. Für alle Mystery-Sciene-Fiction-Fans ist „The OA“ aber ohne Frage ein absolutes Muss.

OA Experiment
OA (links) und Wissenschaftler HAP (rechts)

Weitere Informationen:

NOZ: Mysterien auf Netflix

THE GUARDIAN: The OA

The OA auf IMDb