Die Erinnerung von Netflix noch einmal über „The Chilling Adventures of Sabrina“ zu sprechen

Wie kann man die Weihnachtszeit eigentlich besser verbringen als mit einer großen Tasse des Lieblingsheißgetränks und einer Weihnachtsfolge der Lieblingsserie. Genau das müssen sich die Produzenten von „The Chilling Adventures of Sabrina“ gedacht habe und beschenken uns mit einer weihnachtlichen Zusatzfolge. Oder besser: Eine extra Folge zum Yule-Fest. Hexen feiern nämlich kein Weihnachten. 

Und tatsächlich, als ich Netflix öffnete und die Serie wieder ganz vorne in meiner Watchlist war, habe ich mich sehr gefreut! Die Vorfreude konnte ich nicht lange aushalten und habe mir in der nächsten freien Stunde die neue Folge angesehen. Danach war ich eher enttäuscht als glücklich. Aber nicht wegen der Folge, die war ganz nett für einen Lückenfüller. Nein, ich war enttäuscht, dass ich noch bis zum 05. April 2019 auf die richtige zweite Staffel warten muss.

Die Folge habe ich jetzt aber mal zum Anlass genommen, um ein bisschen meine Gedanken über die Archie-Comic-Adaption loszuwerden. Die sind nämlich zahlreich. 

Die familienfreundlichen Vorgänger

Aber alles von Anfang an: Ich kenne die Hexe Sabrina schon eine sehr lange Zeit. Allerdings aus der Zeichentrickserie Simsalabim Sabrina (1999-2001). Bei meiner Recherche habe ich herausgefunden, dass es auch eine Sitcom mit dem Namen Sabrina – Total verhext! (1996-2003) gab. Also ist es auch okay, wenn ihr euch daran erinnert habt.

 Die neue Sabrina ist allerdings ganz und gar nicht wie ihre Vorreiter. Wie der Name „The Chilling Adventures of Sabrina“ sagt, ist sie deutlich düsterer. Damit ist sie viel näher an dem Original in den Archie Comics und auch wie fälschlicherweise angenommen kein Remake der „total verhexten Sabrina“.  

In der ersten und bisher einzigen Staffel geht es um die junge Halb-Hexe Sabrina Spellman (Kiernan Shipka) aus Greendale, die kurz vor ihrem 16. Geburtstag und (wie sollte es anders sein?) der satanischen Taufe steht. Sie soll ihre Seele Satan opfern, indem sie ihren Namen in das Buch der Bestien schreibt. Nur so kann sie eine vollwertige Hexe werden. Dafür muss sie ihr bisheriges menschliches Leben mit ihren Freundinnen Susie Putnam und Rosalind „Roz“ Walker (Jaz Sinclair), sowie die Beziehung zu ihrem Langzeit-Freund Harvey Kinkle  (Ross Lynch) aufgeben. Normale Dinge, die man eben als Teenager entscheiden muss… Mit dabei sind Sabrinas Tanten Hilda (Lucy Davis) und Zelda (Miranda Otto), ihr Cousin Ambrose (Chance Perdomo) und die wahrscheinlich von Satan besessene Miss Wardwell (Michelle Gomez).

Sabrina ist nicht mehr süchtig nach Pancakes, sondern nach Séancen und WICCA

Alle versuchen in Sabrinas Entscheidungen reinzureden. Doch Sabrina trifft lieber ihre eigenen. Wenn sie bei Simsalabim Sabrina noch süchtig nach Pancakes war, gründet sie direkt in der ersten Folge den Club WICCA. Sie setzt so ein Zeichen für Frauenrechte und versucht ihre Freundin Susie vor Mobbingattacken zu schützen. Netflix warb im Zuge der Serie mit einer gleichnamigen Kampagne. 

Und ob Beschwörung der Toten, Exorzismus oder ein Ausflug in den Limbo: Sabrina ist zu allem bereit, um ihre Freunde und Familie vor den dunklen Gefahren zu beschützten. Das respektiere und akzeptiere ich natürlich. Manchmal wäre es aber doch schön, wenn Sabrina einen Moment nachdenken würde. Ihre Kurzschlusshandlungen bringen nämlich oft nur mehr Ärger. Und ja liebe Leute, mir ist klar, dass dumme Entscheidungen zu allen Serien irgendwie dazugehören. Aber gerade bei Sabrina ist es manchmal sehr nervig mitanzusehen, wie sie nie richtig überlegt, woher die eigentliche Gefahr kommt. 

Die Nachbarorte Greendale und Riverdale

Bei der bloßen Erwähnung des Städtchens Greendale ein paar Absätze zuvor müssten Riverdale-Fans schon euphorisch aufgesprungen sein. Denn wer es nicht schon geahnt hat, weil beide Serien auf den Archie Comics basieren, kann sich spätestens jetzt sicher sein: Ja, es ist das gleiche Universum! (Und Roberto Aguirre-Sacasa ist bei beidem Produzent; ich sehe deutliche Zusammenhänge!)

So sehr ich Crossings zwischen Serien und Filmen á la Marvel´s Avengers liebe, muss ich euch etwas verraten: Nein, es ist bisher kein Aufeinandertreffen der Seriencharaktere geplant (angeblich!). Obwohl die Riverdale-Crew bereits einige Mal in den Wäldern von Greendale unterwegs war. 

Ich gebe zu, dass ich diese Entscheidung nach den ersten beiden Staffel von Riverdale auch gut verstehen konnte. Eine Welt voller Hexen, Dämonen und Satan selbst passt irgendwie nicht so richtig nach Riverdale. Die hatten dort genug mit dem „Black Hood“ zu kämpfen. Der vermeintliche Krieg gegen den Gargoyle-King in der dritten Staffel Riverdales geht aber schon in eine deutlich „chillingerere“ Richtung (gemeint ist das englische Wort „chilling“ für abschreckend, nicht dass irgendjemand in diesen Orten je chillig wäre..).

(ACHTUNG, JETZT KOMMT DER NERDKRAM: Es gibt nämlich doch einige interessante Überschneidungen der beiden Netflix-Serien über die ich gerne sprechen würde. Als Judhead und Archie einen Ausflug nach Greendale machen, werden sie vor einem Trucker gewarnt. Sie sollen sich noch vor Mitternacht wieder auf den Heimweg begeben. Fans wissen bereits, dass in Greendale um null Uhr die Hexenstunde anbricht und einigen Hexen will man einfach nicht im Dunkeln begegnen. Einer der wohl spannendsten Punkte ist aber immer noch der Auftritt von Ben Button. Dieser unscheinbare Charakter ist uns in Riverdale über die Staffeln etliche Male unauffällig begegnet.  In „The Chilling Adventures of Sabrina“ hat er ebenfalls für ein paar Sekunden einen Gastauftritt. Entweder ein total wichtiges Detail oder einfach nur eine nette kleine Überraschung. Ich interpretiere gerne zu viel, wie ihr merkt.)

Mein Fazit lautet: Wer „Simsalabim Sabrina“ oder „Sabrina – Total verhext!“ von Netflix erwartete, wird es nicht bekommen. Wer sich bereits auf Riverdale eingelassen hat (was nicht immer einfach ist..) wird „The Chilling Adventures of Sabrina“ lieben. Genau wie bei Riverdale sind manche Handlung einfach nur dumm und unzusammenhanglos, aber aufhören kann man irgendwie auch nicht. Mit diesem Wissen kann ich euch jetzt ohne Sorgen auf die Netflix-Serie loslassen, falls ihr sie nicht eh schon gesehen habt.